07 Oct Wild Hub: Das Schweizer Tor zur Wildnis – Plattform und Bewegung für Naturschutz und Ökosysteme
Wild Hub ist mehr als ein Online-Portal: Es ist ein zentraler Knotenpunkt für alle, die sich für die Erhaltung der Schweizer Natur engagieren – sei es als Wissenschaftler, Naturschützer, Landwirt oder einfach als jemand, der die Vielfalt des Landes bewahren will. Gegründet 2018 als Initiative des Schweizerischen Naturschutzverbands (SNSV) im Rahmen der Nationalstrategie Biodiversität, verbindet das Portal Wissen, Initiativen und praktische Handlungsmöglichkeiten. Doch was genau macht Wild Hub aus – und warum ist es heute so relevant, angesichts des rasanten Rückgangs von Arten in der Schweiz?
Die Plattform vereint Daten, Projekte und eine Community von über 15.000 Mitgliedern, die sich für den Erhalt von Lebensräumen einsetzen. Ein zentraler Fokus liegt auf der Dokumentation und Analyse von Artenrückgängen: Die Schweiz verliert jährlich etwa 1,5 Prozent ihrer Artenvielfalt – ein Verlust, der vor allem durch Klimawandel, Urbanisierung und intensive Landwirtschaft beschleunigt wird. Hier setzt Wild Hub an: Durch die Zusammenarbeit mit Experten, NGOs und Behörden wird nicht nur Wissen geteilt, sondern auch konkrete Maßnahmen wie die Schaffung von Wildblumenwiesen oder die Renaturierung von Gewässern unterstützt. Ein Beispiel ist das Projekt „Wildnis in der Stadt“, das in Zusammenarbeit mit Städten wie Zürich und Genf urbanen Grünflächen neue Lebensräume für Insekten und Vögel schafft.
Ein besonderes Merkmal von Wild Hub ist seine Transparenz. Das Portal veröffentlicht regelmäßig Berichte zu Biodiversitätsindikatoren, etwa über die Entwicklung von Vögeln, Amphibien oder Insektenpopulationen. Die Daten basieren auf Meldungen aus dem Citizen Science-Projekt „Artenfunde Schweiz“, bei dem Bürger:innen selbst Beobachungen einbringen. Seit 2021 haben allein über 20.000 Schweizer:innen über 1,2 Millionen Artenbeobachtungen getätigt – ein Beweis für die breite Akzeptanz und den echten Mehrwert der Plattform. Doch nicht nur Daten sind wichtig: Wild Hub fördert auch den Austausch zwischen Akteur:innen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Ein aktuelles Beispiel ist die Kooperation mit dem Schweizerischen Milchkontor, das durch die Förderung von extensivem Weidewirtschaft die Artenvielfalt auf Bauernhöfen steigert.
Die Plattform ist zudem ein lebendiger Dialograum, in dem sich Expert:innen und Laien über aktuelle Themen wie die Umsetzung der EU-Biodiversitätsstrategie oder die Folgen des Klimawandels austauschen können. Ein zentraler Aspekt ist dabei die Förderung von lokalen Initiativen: Ob der Aufbau von Insektenhotels in Schulen oder die Renaturierung von Bachläufen – Wild Hub unterstützt Projekte mit Wissen, Finanzmitteln und einer breiten Öffentlichkeit. Ein herausragendes Beispiel ist das „Bachland-Projekt“ in der Aare, bei dem Bürger:innen und Behörden gemeinsam die Fließgewässer wieder in einen natürlichen Zustand versetzen. Die Erfolge sind messbar: Seit 2020 hat sich die Artenvielfalt in einigen Abschnitten um bis zu 30 Prozent erhöht.
- Wild Hub verbindet über 15.000 Mitglieder in einer Community für Naturschutz.
- Die Plattform dokumentiert einen Artenrückgang von 1,5 Prozent pro Jahr in der Schweiz.
- Seit 2021 haben über 20.000 Schweizer:innen über 1,2 Millionen Artenbeobachtungen eingereicht.
- Durch Citizen Science und Expert:innen-Netzwerke werden konkrete Renaturierungsprojekte gefördert.
- Kooperationen wie mit dem Schweizerischen Milchkontor steigern die Artenvielfalt auf Bauernhöfen.
Doch wie funktioniert genau die Zusammenarbeit zwischen Wild Hub und seinen Partner:innen? Die Plattform bietet nicht nur eine zentrale Datenbank, sondern auch Schulungen und Werkzeuge, die Initiativen dabei unterstützen, ihre Projekte nachhaltig aufzustellen. Ein Beispiel ist das Online-Portal „Wild Hub Tools“, das u. a. eine App für Artenbeobachtungen und eine Datenbank für Lebensraumtypen bereitstellt. Besonders innovativ ist die Integration von KI-gestützter Auswertung: Durch maschinelles Lernen werden Meldungen automatisch geprüft und falsche Einträge korrigiert, was die Qualität der Daten deutlich erhöht. Zudem setzt Wild Hub auf partizipative Ansätze: Bürger:innen werden nicht nur als Beobachter:innen, sondern auch als Gestalter:innen von Lösungen eingebunden. So entstanden etwa in Zusammenarbeit mit Jugendlichen Projekte wie „Wild Hub Kids“, bei denen Kinder eigene Naturschutz-Aktionen planen und umsetzen.
Trotz aller Erfolge gibt es Herausforderungen: Der Druck durch Klimawandel und wirtschaftliche Interessen bleibt hoch. Wild Hub setzt sich daher dafür ein, dass Naturschutz nicht als Nebenprodukt, sondern als zentraler Bestandteil der Schweizer Landwirtschaft und Stadtplanung gesehen wird. Ein aktueller Streitpunkt ist die Diskussion um die Ausweitung von Monokulturen in der Landwirtschaft, die die Artenvielfalt weiter gefährdet. Hier setzt die Plattform auf Lobbyarbeit und öffentliche Kampagnen, etwa die Kampagne „Kein Weg ohne Wildnis“, die für eine stärkere Berücksichtigung von Ökosystemen in politischen Entscheidungen kämpft. Die Plattform zeigt damit, dass Naturschutz kein Nischenproblem, sondern eine gesellschaftliche Notwendigkeit ist – und dass Online-Portale wie Wild Hub dabei eine Schlüsselrolle spielen.
portal ist damit mehr als ein Informationsangebot: Es ist ein lebendiger Impuls für den Schutz der Schweizer Natur – und zeigt, dass jeder Einzelne durch Engagement und Wissen einen Unterschied machen kann.